Trans Europe Halles Konferenz in Marseille
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Von 16. bis 19. April fand die TEH101 Konferenz des Trans Europe Halles Netzwerks in Marseille (Frankreich) statt. Und wir waren dabei!
Trans Europe Halles ist ein seit 1983 bestehendes europaweites Netzwerk vielfältiger kultureller und sozialer Zentren und AktivistInnen in einem breiten soziokulturellen Feld, das sein Fokus sowohl auf Kultur, Kunst und Handwerk, als auch auf verschiedene Formen der Regeneration lokaler Gemeinschaften, Nachbarschaften und Städten hat.
Dabei sind einige von seinen Eigenschaften eine Erhaltung industrieller Erbe Europas, Umnutzung ehemaliger Industrieanlagen und ihre nachhaltige und langfristige Transformation in lebendige Zentren sozialer und kultureller Aktivitäten, und zwar ohne Gentrifizierung und Verdrängung.
Nach unserer tollen Erfahrungen in 2024 und 2025, als wir beim Jahrestreffen in Tartu (Estland), in Epanomi (Griechenland) und in Sofia (Bulgarien) teilnahmen, haben wir uns ein viertes Mal an einer TEH-Konferenz beteiligt. Dieses 101te Treffen fand unter dem Namen „Imagining within Limits: Cultural centres and planetary boundaries“ von 16. bis 19. April in Marseille statt.
In der heutigen Welt ist die Rolle der kreativen und kulturellen Zentren zu einem wichtigen strategischen Thema geworden, das sich an der Schnittstelle von ökologischem Wandel, öffentlicher Politik, kulturellen Produktionsmodellen und unserer Beziehung zu den lokalen Gebieten bewegt. Wir tragen eine doppelte Verantwortung: zu informieren und uns anzupassen, aber auch den Wandel voranzutreiben. Als Orte der Kreativität und des Experimentierens haben wir die Kraft, alternative Narrative und wünschenswerte Zukunftsvisionen als Antwort auf die Krise zu entwickeln und so eine Perspektive jenseits des oft angstauslösenden wissenschaftlichen Diskurses zu bieten. Wir können zudem auf neue Weise mit unserem Publikum in Kontakt treten und neue Denk-, Lebens- und Organisationsweisen der Gesellschaft anstoßen.
Das Team von unserem Gastegebereinrichtung La Friche hat sich nun voll und ganz einem ökologischen Neuanfang verschrieben. Dabei geht es nicht nur um technische Veränderungen, sondern um eine grundlegende Hinterfragung unserer Nutzungen, unserer Ziele und unserer Beziehung zum Ort. Ziel ist es, zu einem tiefgreifenden und strukturellen Wandel unserer Arbeitsweisen beizutragen.
In angenehmer Atmosphäre einer lebendigen und vibranten Stadt haben wir uns mit vielfältigen Herausforderungen auseinandergesetzt, wobei das Thema der Nachhaltigkeit und Systemischer Transformation im Mittelpunkt lag. Vielfältiges Programm, das die Themen wie Resilience (Widerstandstfähigkeit), Nachhaltigkeitslösungen, Community care (selbstorganisierte Fürsorge), Governance, und eine äußerst freundliche Stimmung während unserer Arbeit, haben dafür gesorgt, dass wir alle eine tolle, aber auch intensive und kreative Zeit gemeinsam verbracht haben.
Marseille ist eine wünderschöne Stadt, die auch einen sehr schlechten Ruf hat, obwohl die Realität vor Ort ganz anders ist. Es ist ein Treffpunkt verschiedener Einflüsse und Kulturen, die sich nicht immer und unbedingt harmonisch ergänzen, und ein Ort vieler sozialen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Gegensätze. Wir haben tolle Gelegenheit gehabt, bei einer urbanen Erkundungstour uns auch diese vielschichtige Geschichte der Stadtentwicklung von Marseille zu erfahren und etwas von dieser Komplexität besser zu verstehen.
Was einem als erstes auffällt, ist nicht nur eine sehr vielfältige Zusammensetzung der Bevölkerung oder intensive Dynamik auf den Straßen der Stadt, sondern auch unzählige soziale und kulturelle Zentren, viele davon selbstorganisiert und selbstverwaltet, die überall zu finden sind!
Unser Gastegeber La Friche ist eine ehemalige Zigarettenfabrik, deren shiere Größe einfach überwältigend ist. Und es ist nicht das einzige Zentrum dieser Art (und Größe), ganz im Gegenteil! Diese Art Commitment zu Entwicklung und Erhaltung solcher Zentren in (fast) jeder Nachbarschaft ist besonders beeindruckend!
Unsere Beteiligung an TEH-Konferenz in Marseille war insgesamt eine äußerst gute Erfahrung. Wir freuen uns sehr, dass wir ein ständiger Teil dieser großartigen Familie geworden sind und die Gelegenheit haben, an Familientreffen regelmäßig teilzunehmen! Merci! Bis zum nächsten Mal, in Silandro (Italien-Südtirol) im Oktober 2026!
Fotos:
Caroline Dutrey, Pierre Gondard, Petar Atanackovic







































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