PRESSEMITTEILUNG: Unverständnis über mangelnde Unterstützung bei Wohnraumversorgung

Die folgende Pressemitteilung haben wir heute (25.10.2022) veröffentlicht. Sie ging sowohl an die Lokalpresse als auch an das Büro des Oberbürgermeisters bzw. Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung. Wir drücken darin unsere Enttäuschung über die mangelnde Unterstützung und Flexibilität seitens des Bereiches Soziale Wohnraumversorgung/ Wohnraumvermittlung aus. Yuliia und ihre beiden Kinder, seit April bei uns beschäftigt, finden keine Wohnung. Und wenn sie dann mal Erfolg haben, blockiert die Verwaltung.


Falls Ihr der Familie Wohnraum zur Verfügung stellen könnt, bitte meldet Euch bei uns!




PRESSEMITTEILUNG: Unverständnis über mangelnde Unterstützung bei Wohnraumversorgung für geflüchtete, ukrainische Familie


Sehr geehrte Damen und Herren,


Yuliia Kaliuzhna ist zusammen mit ihren beiden Kindern Mykyta (13 Jahre) und Alisa (4 Jahre) sowie Hund Fiztashka im März 2022 vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet. Über unseren Verein INWOLE e.V., der seit vielen Jahren vielfältige Projektkontakte nach Osteuropa pflegt, hat sie schnell Anschluss bei uns und in Potsdam gefunden.


Mittlerweile arbeitet sie bei uns im Ukraine-Projekt als Koordinatorin zur Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine. Sie organisiert u.a. Deutsch-Kurse, psychologische Hilfsangebote für Teenager und Kunstprojekte. Für viele Geflüchtete aus der Ukraine sind die Räume und Angebote im Verein INWOLE im Projekthaus Potsdam sehr wichtig für die Bewältigung ihrer Traumata, für Integration, Sprache und Kultur. Ohne die Ansprechperson und Koordinatorin Yuliia Kaliuzhna aber wäre das nicht möglich.


Ihre beiden Kinder gehen seit Monaten in eine Potsdamer Kita bzw. Schule. Bisher war Yuliia privat untergebracht, aber mit der fortschreitenden kalten Jahreszeit wird diese provisorische Unterbringung zunehmend unzumutbar.


Die alleinerziehende Mutter teilt sich mit ihren beiden Kindern und dem Hund EIN Zimmer. Für die gemeinschaftlich genutzten Sanitäranlagen sowie die Küche müssen sie über einen Hof gehen. Insofern ist ein eigener Wohnraum, der Sicherheit und Geborgenheit bietet die absolute Priorität.


Wie viele andere Menschen in dieser Stadt auch sind wir seit Monaten intensiv auf der Suche nach geeignetem Wohnraum, haben Aufrufe veröffentlicht sowie unzählige Anfragen gestellt, die bisher allesamt negativ waren.


Nun gab es endlich eine Zusage der Pro Potsdam/Gewoba für eine Wohnung im Humboldtring/ Zentrum Ost, die ab dem 01.11. bezugsfertig wäre. Die junge Familie war sofort begeistert und erlöst, endlich eine Zusage erhalten zu haben.

Der nächste Schritt war die Vorlage des Wohnungsangebotes beim Bereich Soziale Wohnraumversorgung/ Wohnraumvermittlung der Landeshauptstadt Potsdam (LHP).


Die Wohnung verfügte über eine Wohnfläche von 68,55m² und kostete 599,81 EUR zzgl. Vorauszahlung Betriebskosten i.H.v. 126,82 EUR. Die Bruttokaltmiete lag somit bei 726,63 EUR. Die nach SGB II und SGB XII in der LHP zulässige Bruttokaltmiete liegt bei 613,60 EUR, sodass das Angebot 113,03 EUR darüber lag und als „nicht angemessen“ abgelehnt wurde.


Daraufhin haben wir ein Härtefallgesuch formuliert, um einen akuten Krisenfall zu verhindern. Wir haben darauf hingewiesen, dass es nahezu unmöglich ist, kurzfristig eine „angemessene“ Wohnung zu finden, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Kosten. Darüber hinaus haben wir deutlich gemacht, dass die aktuelle Unterbringung im Winter unzumutbar ist und die besondere Konstellation (alleinerziehend, 2 Kinder, Haustier) die Wohnungssuche zusätzlich erschwert.

Wir haben zudem angeboten, die Differenz i.H.v. 113,03 EUR durch einen Bürgen abzusichern/ zu übernehmen.


Unverständlicherweise war die Wohnungsvermittlung der LHP nicht gewillt, einer pragmatische Lösung zuzustimmen. Infolge der Ablehnung wurde die Wohnung mittlerweile anderweitig vergeben – Yuliia und ihre Kinder stehen wieder am Anfang.


Wir fordern die Verwaltung und die Lokalpolitik auf, für Yuliia und alle anderen Betroffenen einfache und pragmatische Lösungen zuzulassen. Vielleicht trägt das sogar zur Entlastung der chronisch überlasteten Verwaltungsstrukturen bei, wenn Fälle erledigt und nicht immer weiter vor sich hergeschoben werden.


Yuliia Kaliuzhna und wir brauchen jetzt eine echte Unterstützung bei der Wohnraumsuche anstatt ein bürokratisches Verzögern und Verhindern!