Neue Brücken zwischen Potsdam und Iwano-Frankiwsk
- vor 7 Stunden
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Im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Iwano-Frankiwsk durften wir in den vergangenen Tagen eine Delegation der ukrainischen NGO „STAN“ bei uns begrüßen.
Die NGO engagiert sich seit Jahren intensiv für Menschenrechte, Zivilgesellschaft und Kulturmanagement in der Ukraine. Besonders in Krisenzeiten ist das Team an der Schnittstelle von Kunst und sozialem Wandel aktiv, unterstützt Binnengeflüchtete und schafft wichtige Dialogräume.

Der Besuch stand ganz im Zeichen des intensiven fachlichen und persönlichen Austaustauschs rund um gesellschaftliche Arbeit, gemeinschaftliche Wohnformen und gelebte Resilienz.
Das Programm war so facettenreich wie intensiv. In verschiedenen Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Funktionsweise des Mietshäusersyndikats, den Prozessen von Decision Making oder den Mechanismen von Gruppendynamiken. Diese theoretischen und praktischen Inputs boten eine wertvolle Basis, um über selbstorganisierte Strukturen und kollektive Entscheidungswege zu reflektieren.
Neben der intensiven Arbeit kam auch das gemeinsame Erleben nicht zu kurz: Bei einer Kajaktour und Stadtführungen durch Potsdam und Berlin konnte die Gruppe die Region erkunden und sich noch besser kennenlernen.
Ein zentraler Schwerpunkt des Besuchs war das Kennenlernen lokaler, selbstorganisierter Initiativen. Die Delegation besuchte verschiedene Wohnprojekte und soziale Zentren, die
eindrucksvoll zeigen, wie solidarisches Zusammenleben in der Praxis funktioniert:
HausWagenBurg Hermannswerder, Uhlandstraße 24 & Archiv: Beispiele für alternative, selbstverwaltete Wohn- und Freiräume, die Kultur und Gemeinschaft verbinden. Das kürzlich auf Hermannswerder besetzte und nach einer Woche geräumte Objekt Tornow 40 wurde auch thematisiert und dabei die lange Historie von Hausbesetzungen in Potsdam diskutiert.
Refugee Emancipation Center: Ein wichtiges und einzigartiges Wohnprojekt, das die Selbstermächtigung und politische Teilhabe von Geflüchteten in den Mittelpunkt stellt.
Frauenzentrum: Ein sicherer Raum für Austausch, Beratung und feministische Vernetzung, der wertvolle Impulse für die geschlechtersensible soziale Arbeit lieferte.
Die Gäste aus Iwano-Frankiwsk kehrten mit einer Fülle von Inspirationen zurück und äußerten großes Interesse daran, Konzepte in dieser Richtung künftig auch in der Ukraine weiterzudenken und anzustoßen.
Ein wichtiger Programmpunkt des Austauschs war der interaktive Workshop, den das Team von „STAN“ für uns leitete: „Offener Dialog für den Frieden: Gemeinsame Visionen für ein Zusammenleben schaffen“.
Dabei lernten die Teilnehmenden eine innovative Peacebuilding-Methodik kennen, die von STAN entwickelt und bereits europaweit erprobt wurde. Statt starre Meinungen zu debattieren, schuf der Workshop einen strukturierten, sicheren Raum, um über die Praxis von Frieden, Würde, Inklusion und sozialem Zusammenhalt in vom Krieg geprägten Gesellschaften zu sprechen. Durch moderierten Dialog und symbolische „Bausteine des Friedens“ wurde spürbar, wie wichtig non-formale Bildung und gegenseitige Verantwortung für eine widerstandsfähige Zivilgesellschaft sind.
Der Besuch des Ukraine Museums im Berlin Story Bunker in Berlin hinterließ bei allen Beteiligten einen tiefen Eindruck. Die Ausstellung zu erleben, war eine hochemotionale und bewegende Erfahrung. Das Feedback der ukrainischen Delegation war eindeutig: Es war für sie von unschätzbarem Wert und zutiefst berührend, diese sichtbare und kraftvolle Solidarität sowie die Unterstützung für die Ukraine mitten in Deutschland zu sehen. Es hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig internationale Partnerschaften und das gemeinsame Erinnern sind.
Die Delegation reiste vollgepackt mit neuen Ideen, Impulsen und Visionen zurück nach Iwano-Frankiwsk. Für uns steht fest: Dieser Besuch war erst der Anfang. Wir haben ein riesiges Potenzial in der Synergie unserer Organisationen gespürt und freuen uns auf die zukünftige, langfristige Zusammenarbeit und das gemeinsame Gestalten neuer Projekte.
Der Partneraustausch wurde durch die Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg sowie der Stadt Potsdam aus Mitteln der Städtepartnerschaften ermöglicht. Wir bedanken uns herzlich für diese Unterstützung, die diesen wertvollen Austausch erst denkbar gemacht hat!
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